Kolping besichtigt Orgelbaufirma Thomas Jann

Jeden Sonntag erklingt in der Kirche Peter und Paul, Sattelpeilnstein, die Orgel der Orgelwerkstatt Thomas Jann aus Laberweinting. In dem kleinen Ortsteil Allkofen entstehen Orgeln mit Weltruf. Nicht nur in Sattelpeilnstein ist eine Jann-Orgel zu hören, sondern auch im Münchner Dom, der Basilika in Waldsassen, um nur einige Werke zu nennen. In Ausland, zum Beispiel in Korea schätzt man den Klang dieser Orgeln aus Bayern.

Die Wurzeln sind in Potsdam zu finden. Georg Jann, der Vater von Thomas Jann, sollte Cello spielen, aber ihm war dieses Insturment verhasst. Kurzerhand stellte er das Cello in den Regen und über eine Karriere als Cellist wurde nie mehr gesprochen. Der junge Georg wurde Orgelbauer, lernte bei Alexander Schuke in Potsdam. Der Weg führte über die Schweiz nach Regenburg, wo Georg Jann in Stadtamhof die alteingesessene Orgelbauwerkstatt Eduard Hirnschrodt übernahm. Georg Jann machte sich schnell einen Namen und benötigte mehr Platz. Da bot sich das Gelände einer ehemaligen Möbelfabrik in Allkofen an. Thomas Jann wurde ebenfalls Orgelbaumeister und führte die Erfolgsgeschichte fort. Mittlerweile ist die Orgelbaufirma Thomas Jann auch führend im Restaurieren historischer Orgeln.

Die Kolpingsfamilie Cham hatte die Möglichkeit diese Firma zu besichtigen und wurde vom Chef selbst durch den Betrieb geführt. Kaum zu glauben, wieviele Schritte bis zur fertigen Orgel erforderlich sind. Jann baut zu 50 Prozent neue Orgeln und zu 50 Prozent werden Orgeln restauriert. In der großen Halle steht eine Orgel von 1870 „an dieser Orgel arbeiten wir immer, wenn es die Zeit zulässt“ sagte Thomas Jann. Im Orgelbau habe sich in den letzten 200 bis 300 Jahren nicht viel geändert. Jann baue keine Elektronenorgeln sondern ausschließlich Pfeifenorgeln. Jede Orgel sei ein Unikat, ganz nach den Wünschen der Auftraggeber, nach deren Räumlichkeiten und finanzieller Ausstattung entworfen und gebaut. Für 20 Register brauche die Firma cirka 20 Monate bis zur endgültigen Fertigstellung. In der Gruppe werden die Entwürfe erstellt und in vielen einzelnen Schritten überarbeitet. Jede Orgel wird in der Fertigungshalle zusammen gebaut und zum Bespiel der Kirchengemeinde vorgestellt. Probleme beim Aufbau können sofort behoben werden, der Zusammenbau in der Kirche ging dann recht schnell. Diese Art des Aufbauvorgangs erspare den Auftraggebern zum Beispiel Übernachtungskosten und Spesen. Der Aufbau benötige in etwa zwei Wochen. Mehr Zeit beanspruche die Intonation. Bis die Orgel so klinge, wie sie soll werden zwischen vier und fünf Wochen benötigt. Die Intonation – ein wichtiges Thema, das mit viel Fingerspitzengefühl und einem musikalisch geschulten Gehör ausgeführt wird. In der Werkstatt wird vorintoniert – was etwas 300 Arbeitsstunden ausmache, ebenso viele seien in der Kirche erforderlich. Eine 20 Register große Orgel benötige bis zur Fertigstellung etwa 5000 Arbeitsstunden. Die zwölf Mitarbeiter sind eine eingespieltes Team, in dem jeder sich auf jeden verlassen kann und jeder seine eigenen Ideen mit einbringen kann.

Die Gäste aus Cham konnten sich über die unterschiedlichen Orgelpfeifen informieren, durften im Intonierraum sehen, wie die Orgelpfeifen ihren Klang bekommen und konnten den Orgelbauer sozusagen ein Loch in den Bauch fragen. Keine Frage blieb unbeantwortet. Als Orgelbaumeister gibt es natürlich auch ein Meisterstück, auf der der Orgelbaumeister veranschaulichte, was es mit Registern auf sich hat. Register machen den Klang der Orgel vielfältig und einzigartig. Nach dieser Besichtigung haben die Besucher einen ganz neuen Blick auf „ihre“ Orgel in der Kirche.

Bilder: Metallpfeifenherstellung, In der Fertigunghalle, Holzorgelpfeifen, Die Meisterorgel

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