Weihnachten: Die Freundschaftsanfrage Gottes an jeden Menschen

Die Weihnachtsbotschaft ist über 2000 Jahre alt – und kann in den Texten der Heiligen Schrift aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Doch niemals ist sie bloße Historie, sondern sie spielt in gleicher Weise in der Gegenwart, jeden Tag und jede Stunde, wie Stadtpfarrer Dieter Zinecker in seiner Festpredigt in der Christmette einleuchtend darlegte. Und: Sie setzt Gottes Plan um, auch wenn sie damit von Menschen ersonnenen Regeln und (Rang)Ordnungen zuwiderläuft und selber das Maß setzt.

Das Festgeläut der Stadtpfarrkirche St. Jakob zur nächtlichen Stunde des Heiligen Abends hatte keinen Zweifel offengelassen: Die lange Zeit der Vorbereitung war zu Ende, freudig durfte Weihnachten, die Geburt Christi gefeiert werden. Auch vom äußeren Rahmen her strahlte das Gotteshaus, mit dem Kind in der Krippe im Mittelpunkt und den sternengeschmückten Christbäumen an den vorderen Seitenaltären, Festtagsatmosphäre aus. 2Nun freut Euch, Ihr Christen…“ und weitere bekannte Weihnachtslieder sangen die vielen mitfeiernden Gläubigen kräftig mit, nachdem Pfarrer, Kaplan Alexander Dyadychenko, Diakon Alfred Dobler und eine stattliche Anzahl von Ministranten in die anfangs nur spärlich beleuchtete Kirche eingezogen waren. Es komme nicht von ungefähr, so die Begrüßungsworte von Pfarrer Zinecker, dass sich oft gerade im Dunkel der Nacht bedeutungsvolles, ja bahnbrechendes Geschehen ereigne (z.B. in der Osternacht oder eben heute), um dann im Licht des Tages seine eigentliche Strahlkraft zu entfalten. Solche Kraft war auch in der Frohbotschaft des Weihnachtsevangeliums zu spüren, die Kaplan Alexander Dyadychenko verkündete.

In seiner Predigt erzählte Pfarrer Zinecker von der Aufführung eines Krippenspiels, in dessen Verlauf der Schauspieler in der Rolle des missmutigen Herbergswirts, der die um Einlass bittenden Josef und Maria eigentlich wutschnaubend wegschicken soll, vorübergehend „aus der Rolle fällt“: Es kommt urplötzlich etwas über ihn, was ihn aus tiefster Seele rufen lässt: „Kommt doch herein und trinkt eine Tasse Tee. Dann muss ich Euch (notgedrungen) weiterschicken, weil das Spiel weitergehen muss.“ Genau das bedeute Weihnachten: Es sei die Freundschaftsanfrage Gottes an jeden Menschen, ob man Gott einlasse in das eigene Leben, Denken und Handeln – oder ihn wegschicke und sich selbst die Welt zurechtrücke.

Für den Prediger war dies erst ein Teil der Geschichte, hinzu trete etwas Wesentliches: Der Krippenspieler habe sich gezwungen gesehen, umgehend wieder in seine Rolle zurückzukehren, „damit das Spiel weitergehen könne“, und mit ihm die alten Ordnungen, nach denen die Reichen und Mächtigen in der Welt das Sagen haben. Wenn es dagegen nach Gottes Plan und seiner Liebe zu allen Menschen gehe, sei von Anfang an alles anders. Die Hirten auf dem Felde seien die ersten gewesen, denen sich „der Himmel geöffnet“ habe und die erkennen durften, dass sie vor keiner Macht der Welt mehr die Knie beugen müssten, wenn sie zu dem Glauben gekommen seien: Da ist das Heil der Welt. – „Liebe Mitchristen, Jesus gehört nicht der Hl. Familie und Weihnachten nicht der Kirche. Nein, da ist etwas geschehen, was alle betrifft, wo jeder gemeint ist: Die Liebe Gottes hat Gestalt angenommen (…). Ein totales Gegenbild zu Hass und Gewalt. Das Licht leuchtet auf in dunkler Nacht, damit es in der Welt nicht weitergeht wie bisher, damit ein oft Menschen verachtendes Spiel nicht so weiterläuft. Komm herein, leuchte, strahle, lass dich loben und anbeten, bleib in meinem Leben und in meinem Herzen.

Nach der Predigt wurde Eucharistie gefeiert. Der Chor unter Leitung von Hermann Seitz und der Mitwirkung mehrerer Streicher sorgte hier wie auch zuvor im Kyrie und Gloria für stimmungsvolle Begleitung (Orgelsolomesse von Mozart, „Pastores“ von F. Bühler). Noch vor dem feierlichen Schlusssegen wünschte Pfarrer Zinecker, auch namens Kaplan und Diakon, allen Mitfeiernden frohe Weihnachten. Die Christmette endete traditionell: „Stille Nacht, Heilige Nacht…“.

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