Liebe Gläubige,

mein Landsmann Mahatma Gandhi sagte einst: „Die Fastenzeiten sind Teil meines Wesens. Ich kann auf sie ebenso wenig verzichten wie auf meine Augen. Was die Augen für die äußere Welt sind, das ist das Fasten für die innere.“

Diese Art von Fasten, wie Gandhi es hier beschreibt, hat nichts mit Abnehmen zu tun – das ist offensichtlich, wenn man sich die Erscheinung Gandhis vor Augen führt. Diese Art von Fasten soll viel mehr zu uns selbst und dadurch zu Gott führen. Auch wenn Gandhi Hindu war, so ist das Fasten, um zu sich selbst zu kommen, religionsübergreifend. Denn in jeder Religion sollte man zu Gott finden.

Für uns Christen ist gerade das Fasten in den 40 Tagen vor Ostern wichtig. Schließlich feiern wir an Ostern die Essenz unseres Glaubens – die Bezwingung des Todes, die Auferstehung Christi. Wie könnten wir das nur halbherzig tun? Daher ist ja auch die Vorbereitung darauf so wichtig. Das Fasten soll uns frei machen von den äußeren Bedürfnissen, im Fasten können wir spüren, dass der Verzicht uns nichts nimmt, sondern viel mehr etwas gibt: nämlich einen klareren Geist und tiefere Verbundenheit mit uns selbst. Aus diesem Gefühl heraus fällt es uns auch leichter, in uns hinein zu spüren, zu schauen, wie unsere Beziehung zu Gott ist, wie ich mein Christsein lebe.

Wer schon einmal eine echte Fastenkur gemacht hat, kennt das Hochgefühl, die klaren Gedanken und die Leichtigkeit der Seele, die sich nach den ersten Tagen einstellt. Doch natürlich kann und will nicht jeder so fasten. Jeder sollte es aber auf eine Art und Weise tun, die ihm möglich ist. Für den einen ist es der Verzicht auf Alkohol oder Schokolade, für den anderen Verzicht auf das Handy oder auf Computerspiele. Aber man kann auch an Verhaltensmustern fasten. Damit meine ich schlechte Angewohnheiten wie zum Beispiel über andere schlecht reden, Vorurteile zu haben oder wenig hilfsbereit zu sein.

Fasten kann aber auch sein, sich jeden Tag Zeit zu nehmen für einen Menschen, der gerade Unterstützung braucht oder sich intensiv in Stille und Ruhe ins Gespräch mit Gott zu vertiefen. Egal, für was wir uns entscheiden, das Wichtigste dabei ist, es aufrichtig und bewusst zu tun, in uns hinein zu hören, es zu reflektieren und daraus eine Erkenntnis zu ziehen. Vieles kann sich dabei für uns klären, kann uns den Blick auf das Wesentliche wieder frei machen.

Vor allem aber bringt uns dieses Bemühen in eine tiefere Beziehung zu Gott. Selbst wenn wir nun schon mitten in der Fastenzeit sind – es ist nicht zu spät, mit dem Fasten zu beginnen. Vielleicht mag sich der ein oder andere ja doch noch auf diesen Weg begeben. Auf den Weg näher zu sich selbst, näher zu Gott und näher zu Ostern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute, erfolgreiche Fastenzeit.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar

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