Es ist mal wieder soweit: „Zwölf Uhr mittags ist Orgelzeit“. Auch in der Zeit der Pandemie will der Organist Hajo Maier zusammen mit der Kolpingsfamilie den Besuchern der Pfarrkirche St. Jakob eine halbe Stunde Orgelmusik zur Mittagszeit anbieten.

An zwei Donnerstagen im August, am 6. August und am 20. August, und am 3. September wird er um 12 Uhr die Eisenbarth-Orgel erklingen lassen. Bitte beachten Sie auch unsere Terminhinweise in der lokalen Presse oder hier auf der Webseite.

Die Orgelkonzerte beginnen jeweils mit der Marseillaise, eine Hommage an Graf Luckner.

Auf dem Programm diesen Donnerstag:

  • Johann Sebastian Bach (1685-1750), Präludium a-Moll, BWV 569
  • Johann Nepomuk Hummel (1778-1837), Andante As-Dur
  • Vincent Lübeck (1656-1740), Präludium und Fuge d-Moll
  • Hajos Maier (1953), Konzertwalzer

Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber herzlich willkommen.

Bitte beachten Sie unsere Hygienevorschriften. Sie können sich über diese hier informieren.

Evangelium für Kinder
am 19. Sonntag im Jahreskreis

(T: M. Maier nach Mt 14,22-33)

Nachdem Jesus den Menschen zu essen gegeben hat,
sagt er zu den Jüngern:
„Steigt in das Boot und fahrt an das andere Ufer.
Ich schicke die Menschen nach Hause.“

Dann steigt Jesus auf einen Berg, um dort allein zu sein und zu beten.
Es ist schon Abend und Jesus ist immer noch auf dem Berg.

Das Boot mit den Jüngern ist inzwischen schon weit auf den See hinausgefahren.
Die Jünger haben Gegenwind und die Wellen werfen das Boot hin und her.

In der vierten Nachwache kommt Jesus zu den Jüngern.
Er geht auf dem See.
Als die Jünger ihn sehen, erschrecken sie sehr.
Sie denken: Das ist ein Gespenst!
Sie schreien vor Angst.

Doch Jesus spricht zu den Jüngern:
„Keine Angst! Ich bin es. Ihr braucht euch nicht zu fürchten.“

Da sagt Petrus:
„Wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“
Jesus sagt zu Petrus: „Komm!“

Da steigt Petrus aus dem Boot und geht über das Wasser zu Jesus.
Aber der Wind ist sehr stark und Petrus bekommt Angst.
Er schreit: „Jesus, rette mich!“

Da streckt Jesus seine Hand aus und hält Petrus. Er sagt:
„Warum hast du mir nicht vertraut?“

Dann steigen Jesus und Petrus in das Boot.
Sofort hört der Wind auf.

Die Jünger im Boot knien sich vor Jesus hin und sagen:
„Es ist wirklich wahr: Du bist der Sohn Gottes!“

Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören – so lautlose Stille herrschte in der Stadtpfarrkirche von St. Jakob, und lauschten die Anwesenden gebannt der Predigt von Pater Kiran beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag:

„Einmal alles auf eine Karte setzen! Einmal alles riskieren! – Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal alles auf eine Karte gesetzt? Einmal alles mit vollem Einsatz riskiert?“ – Die meisten Zuhörer werden kurz überlegt und die Frage für sich vermutlich verneint haben, wenn auch möglicherweise mit leisem Bedauern: „Schöne Vorstellung – ja, aber im Endeffekt wäre mir das zu unsicher und zu riskant gewesen. Wenn es schiefgegangen wäre, wäre ich als großer Verlierer dagestanden, lieber nicht!“

Alles riskiert? „Ich schon“ sagte Pater Kiran ganz schlicht und ohne Pathos – und ohne überheblich wirken zu wollen. „Ich wollte unbedingt Jesuit werden. Mit fünfzehn habe ich mich dafür fest entschieden und meine Familie verlassen, ohne zu wissen, welche Konsequenzen meine Entscheidung haben wird. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und alles riskiert. (…) Wahnsinnig? Unvernünftig? Ich weiß es nicht.“

Die Gottesdienstbesucher waren sichtlich beeindruckt von dem, was der jugendlich wirkende Priester vorne am Ambo über seinen eigenen Werdegang erzählte, keineswegs zur Selbstdarstellung/als Selbstzweck, sondern um das zuvor von ihm verkündete Tagesevangelium auszulegen: Ein Mann gibt sein ganzes Vermögen aus, um eine einzigartige Perle zu kaufen.

Pater Kiran Kumar Hrudayaraj SJ, wie er mit vollem Namen heißt, gastiert bereits zum dritten Mal in St. Jakob in Cham. Beim ersten Mal war er kaum dem Zug entstiegen, da ging er wenig später schon entspannt und lächelnd beim Festzug zum „Fünfzigjährigen“ des SV Michelsdorf mit, um als Urlaubsvertretung für Stadtpfarrer Dieter Zinecker gleich erste Kontakte zu knüpfen. Damals stellte sich schnell heraus: Der Mann geht offen auf die Leute zu, freut sich über alle Begegnungen – und spricht nicht nur Englisch, sondern hervorragend Deutsch! – Gebürtig ist Pater Kiran in Bangalore, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Karnataka. Dort ist er mit Schwester und Bruder in bescheidenen Verhältnissen, aber glücklich in einer Familie aufgewachsen, die später mit dem allzu frühen Tod der Mutter zurechtkommen musste. Aber schon als Fünfzehnjähriger beschloss er, Jesuit zu werden und dafür seine Heimat und seine Familie zu verlassen; alles zu riskieren für seine geistliche Berufung. Und der „Sprung ins kalte Wasser“ glückte ihm. Er absolvierte sein Theologiestudium mit ausgezeichnetem Erfolg und erhielt einen Platz im Kolleg der Jesuiten, wunderbar gelegen inmitten der Innsbrucker Innenstadt. Im Kolleg, einem riesigen Gebäudekomplex, lebt er in einer internationalen Gemeinschaft von rund 30 Jesuiten. Einzelne seiner Mitbrüder sind für ein paar Jahr im Kolleg, z. B. um hier zu studieren oder in einem der Jesuiten-Werke tätig zu sein, andere verbringen ihr halbes Leben hier, je nach ihrer Sendung. Eine schöne Gemeinschaft, in der nicht selten nach indischen Rezepten miteinander gekocht und gespeist wird. Pater Kiran wird noch ca. 4 Jahre bleiben, bis er den Doktor- und den Professorentitel „in der Tasche hat“. Und dann: Ja dann möchte er unbedingt zurück nach Bangalore, um an der dortigen Universität Theologie zu lehren. Und um seiner ersten Heimat Indien wieder etwas zurückzugeben von dem Wissen, das er sich angeeignet hat:

Angeeignet nicht in der „Fremde“, sondern bei Freunden. Denn so empfindet er nach eigenem Bekunden sein Leben in Innsbruck – und bei günstiger Gelegenheit im bayerischen Cham. In Tirol und Umgebung ist mittlerweile kein „Dreitausender“ mehr sicher vor dem auch sportlich ambitionierten Geistlichen. Er liebt „seine“ Berge und will sie nicht nur von unten sehen. Momentan gefallen ihm freilich auch die „etwas“ niedrigeren Bayerwald-Berge, wie zuletzt Kaitersberg, Hoher Bogen, Osser und Pröller.

Ein Gipfelstürmer halt – in vielen Belangen! Und das nicht nur bei gutem Wetter. Auch wenn die deutsche Übersetzung von „Kiran“ bedeutungsvoll lautet: Der „Sonnenstrahl“.

Im Bild:
Pater Kiran auf der 2718 m hohen Serles, bekannt als „Hochaltar von Tirol“ !
und am Altar von St. Jakob