Beiträge

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“

… so lautet ein alter Spruch. Dieser Satz klingt eigentlich etwas deprimierend. Er hört sich so an, als käme danach nichts mehr. Doch stimmt das?

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ bezieht sich in erster Linie auf den Fasching. Und der endet am Aschermittwoch. Das ausgelassene Feiern mit bunten Gewändern, in denen man versucht, in eine andere Rolle zu schlüpfen, endet. Die Verkleidung kommt in den Schrank, der Alltag kehrt wieder ein und wir sind wieder die, die wir sind – mit all unseren Aufgaben.

Und so endet am Aschermittwoch zwar eine besondere Zeit, aber wir gehen in eine neue Zeit. Wir stehen also nicht vor einem Nichts. Im Gegenteil. Mit der Fastenzeit beginnt eine Zeit in der es nicht darum geht, ein anderer zu sein, sondern eher darum, ich selbst zu sein.

Da geht es um die Fragen: Wer bin ich eigentlich wirklich? Bin ich der, der ich sein möchte? Bin ich so, wie ich sein möchte? Bin ich so, wie Gott mich gerne haben möchte? Lebe ich nach seinen Geboten? Und wenn nicht: Was hindert mich daran, nach Gottes Geboten zu leben?

Wenn wir genau über diese Fragen nachdenken, dann merken wir: Die Antworten auf diese Fragen lassen sich vielleicht noch leicht finden. Doch die Antworten auch auszuhalten – wenn ich ehrlich zu mir selbst bin – das ist unter Umständen alles andere als leicht. Denn diese Antworten bedingen, je nachdem, ein kleineres oder größeres Umdenken und Anders machen. Und genau das ist echte Arbeit. Das ist eine Arbeit, die nicht von heute auf morgen geht. Das ist eine Arbeit über Wochen. Das ist eine Arbeit, die einen Willen zum Durchhalten voraussetzt.

Und somit kann man sagen: Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. Im Gegenteil: Da geht es erst richtig los! Und Jesus ermutigt uns im Evangelium vom Aschermittwoch. Er sagt: „Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

In diesem Sinne: Viel Erfolg bei den kleineren und größeren Arbeiten und eine gute Fastenzeit!

Michaela Maier, Gemeindereferentin

Die Apostelbriefe und Evangelien … „gaben ja die Botschaft wieder, die von Jesus stammte, und die Apostel als >Zeugen erster Hand< galten als verlässlich und inspiriert.

Roger Lenaers, Der Traum des Königs Nebukadnezar.
Das Ende einer mittelalterlichen Kirche, edition anderswo 2005, S 48 ff

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

Das ist für mich ein Gedanke, über den ich immer wieder nachdenke: Was wir als Kirche tun, wie ich selber lebe, stimmt das, ist das richtig? Vieles liegt auf meinem Schreibtisch. Mein Tag füllt sich, manchmal bin ich aktiv, packe was an und es geht mir schnell von der Hand. Ein andermal schleppe ich mich so dahin, werde dann mit dem Nötigsten gerade noch fertig.

Was ist wichtig und richtig? Nicht nur meine einzelnen Taten. Nein, dass ich weiß: Jesus nimmt mich in den Dienst, er beansprucht mich. Dem kann ich nicht ausweichen. Und das gilt ausdrücklich nicht nur für Priester, Ordensleute, pastorale Mitarbeiter, die fest im Dienst der Kirche stehen.

Mein Handeln und die Art, wie ich auf andere wirke, muss etwas ausdrücken, muss einen Kern und eine Mitte haben. „Zeuge erster Hand“ zu sein – das ist der Anspruch, dem ich mich als Christ stelle.

Es ist gut, dass ich nicht alles selber machen muss: Da gibt es innerhalb der Glaubensgemeinschaft Frauen und Männer, die sich um Menschen in Not annehmen. Die nicht die Augen schließen, wenn schon wieder von einer Katastrophe berichtet wird. Menschen, die am Sterbebett anderer wachen und da sind. Die beraten, pflegen, andere nicht alleine lassen.

Andere verstehen sich gut auf die Verkündigung: Sie können die große Währung des Evangeliums einwechseln in Bilder, die treffen, die aufrichten, die Tiefgang haben und das Alte neu ausdrücken.
Die anderen sind wichtig – und ich bin wichtig. Niemand kann mich vertreten und ersetzen. Sonst ist im großen Mosaikbild der Kirche irgendwo eine Lücke. In einem Bild, das „Zeugen erster Hand“ zeigt.

Überlegen Sie einmal, was Sie besonders gut können, was Ihr Talent, Ihr Charisma ist – und freuen Sie sich daran.

Ihnen alles Gute, eine gesegnete Zeit.
Ihr Dieter Zinecker, Pfarrer

Ich sagte zu dem Engel
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit
entgegengehen kann!
Aber er antwortete:
Gehe nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes!
Das ist besser als ein Licht
Und sicherer als ein bekannter Weg!

Liebe Gläubige,

ja, wer braucht in diesen Zeiten nicht ein Licht oder eine Hand, die einen durch die Tage führt! Wir alle beginnen das Neue Jahr in der Ungewissheit, wie es weitergehen mag. Viele sind mutlos, aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Diese Hoffnung dürfen wir uns nicht nehmen lassen, denn trotz aller Sorgen und Unsicherheiten bietet das Leben so viel Schönes. In der Natur, in der Liebe zu Familie und Freunden, im rücksichtsvollen und fürsorgenden Umgang mit unseren Mitmenschen. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten. Es mag vielleicht nicht immer leicht fallen, das Schöne zu sehen oder immer hoffnungsvoll und optimistisch zu sein. Doch es gibt eine Quelle der Kraft und des Lichts, die uns stets zugänglich ist und nie versiegt und die uns hilft, immer ein Licht im Dunkel zu sehen – Gott! Aus dieser Quelle dürfen wir reichlich schöpfen, denn in allen Ungewissheiten ist eines sicher: Gott bleibt bei uns, auf allen Wegen, in allen Zeiten.

Wir müssen uns nur darauf besinnen und in echtem Gottvertrauen unsere Hand in seine legen. Der Weg an sich wird dadurch nicht unbedingt leichter, aber Gott wird uns dabei helfen, das Schwierige auszuhalten und das Schöne zu sehen. So können wir unsere Wege gehen, egal wohin sie führen, egal wie ungewiss sie sind.

Legen Sie also getrost Ihre Hand in die Hand Gottes auf dem Weg in ein gutes, erfülltes und gesundes Neues Jahr und spüren Sie, wie Sie zuversichtlich und hoffnungsvoll Ihre Wege gehen können.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar

Welch ein Gedankensprung!
Wie würde ich reagieren, wen plötzlich ein Fremder in meinen eigenen vier Wänden erscheint?
Was würde ich denken, wenn mich dieser Fremde mich auf ungewohnte Art und Weise grüßt?
Was würde ich tun, wenn dieser Fremde mich mehr oder weniger vor vollendende Tatsachen stellt?

Liebe Leser,

wenn wir am vierten Adventsonntag vom Besuch des Engels Gabriel bei Maria hören, dann ist das für unsere Ohren eine bekannte Geschichte. Der Engel kommt, sagt, was Gott will und Maria stimmt zu. Fertig.

Aber wenn wir uns das Szenario wirklich vorstellen, dann finde ich, dass nichts so einfach und geschmeidig ist, wie es die vertrauten Worte erscheinen lassen.

Da steht bei Maria plötzlich ein Fremder, der sie auch noch seltsam anspricht und ihr dann verkündet, was Gott für sie vorgesehen hat. Wenn ich mich in die Rolle von Maria versetze… welch ein Gedankensprung!

Zum einem würde ich wohl zu Tode erschrecken, wenn da plötzlich jemand im Zimmer ist, mit dem ich jetzt überhaupt nicht gerechnet habe. Eine seltsame Anrede würde bei mir den Eindruck verstärken, dass da jetzt etwas so gar nicht richtig läuft. Und wenn mir dann dieser Wildfremde sagt, wie von jetzt an mein Leben geplant ist – ja, dann glaube ich, hätte ich entweder erst mal gesagt: „Stopp. Erst mal langsam.“ Oder sogar: „Das kannst du vergessen. Ich mach da nicht mit. Such dir eine andere.“

Ganz sicher war Maria anders gestrickt, als eine Frau im Jahr 2020. Aber trotzdem kann für sie das „Ja“ zu Gottes Plan auch nicht leicht gewesen sein. Eine Frau, die unverheiratet schwanger wird – so jemand musste damit rechnen, von der eigenen Familie verstoßen zu werden. Dass ein Verlobter sich darauf einlässt, dass seine Braut ein Kind von einem anderen bekommt – davon war jetzt auch nicht gleich auszugehen. Und nicht zuletzt: Maria hatte ganz sicher einen Plan von ihrer Zukunft: Erst einmal heiraten und dann eine Familie gründen. Ganz klassisch, so wie es alle von ihr erwarten und wie sie es auch sicher selbst wollte. Aber so… welch ein Gedankensprung!

Im Besuch des Engels bei Maria steckt der Anfang von Jesus in unserer Welt. Und wenn man diesen Anfang durchdenkt, dann eckt Jesus eigentlich schon hier an, nicht erst, als er im Erwachsenalter zum Problem für die jüdische Oberschicht wird.

Jesus fügt sich nicht geschmeidig in unsere Welt ein. Dann hätte ihn auch niemand wahrgenommen. Er ist anders und kommt anders, als man denkt. Er mutet etwas zu – nicht nur Maria. Er mutet es uns zu, im Kind in der Krippe den großen Gott zu erkennen. Welch ein Gedankensprung!

Eine schöne Adventszeit und eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Michaela Maier, Gemeindereferentin

Außerdem stellt der Christkönigssonntag die kritische Frage, ob … wir … noch bereit und fähig sind, die dunklen Seiten des Lebens und die Not anderer wahrzunehmen. Vielleicht sollten wir einüben, weniger auf „Augenhöhe“ (wie es so oft gefordert wird), sondern mehr auf „Herzhöhe“ wahrzunehmen und zu handeln.

Burkhard R. Knipping, Wegweisung zum Sonntag,
in: Die Botschaft heute 9/2020, S. 353

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

„Einander auf Augenhöhe begegnen:“ Das höre und lese ich immer wieder. Und es ist ja ein guter Gedanke: Dass für jeden klar ist: Alle sind gleich viel wert, es gibt im gelingenden Miteinander kein „oben“ und „unten“. Wenn einer immer alles besser wissen will, und mit dieser Grundhaltung auf den anderen einredet, dann wird das auf Dauer kein gutes Miteinander ergeben.

Und noch mehr liegt in dem Gedanken: „einander auf Herzhöhe begegnen:“ Das Herz ist für uns das Sinnbild des Gefühls, der Zuneigung, der Liebe. Mit meinem Bemühen, deine Gefühlswelt wahrzunehmen, Dich zu verstehen in dem, was Dich innerlich bewegt, da komme ich Dir nahe. Da kann ich körperliche Distanz aus dem Weg räumen, weil ich Dir nahe komme in dem, was Dich bewegt und umtreibt.

„Empathie“ – Einfühlungsvermögen – ist das Zauberwort. Das braucht Geduld, da muss ich immer wieder mit dem anderen zusammenkommen, mit ihm reden, ihm zuhören. Wenn er dann noch mehr erzählt als die Erlebnisse seines Alltags, dann kann ich irgendwann mit ihm fühlen, in seine Welt einsteigen.

In Christus begegnet uns Gott auf Herzhöhe. Er ist uns ganz nah gerückt und bleibt doch souverän: Er steht weiter als großer Sinnhorizont über dieser Welt. Dieser Gedanke ist für mich wie eine Klammer zwischen dem Christkönigssonntag und dem 1. Advent: Eine Klammer vom Schluss des alten Kirchenjahres hin zum Beginn des neuen.

Manches in den kommenden Wochen mag anders sein als wir es von früheren Jahren her kennen. Aber das Eine bleibt: Im Advent bereiten wir uns vor und erwarten wir mit gerührtem Herzen das Fest, das uns vor Augen hält: Gott kommt herab in unsere Welt, in unser Leben. Manches ist da unordentlich, manches ist oberflächlich, manches ist unansehnlich. Aber unser Leben – und wir – sind es Gott wert, dass er uns „auf Herzhöhe“ begegnen will.

Das wünsche ich Ihnen, dass sie das wieder spüren im Advent: Gott auf Herzhöhe mit uns Menschen.

Ihnen alles Gute, eine gesegnete Adventszeit.
Ihr Dieter Zinecker, Pfarrer

Liebe Gläubige,

nun sind wir wieder im November angelangt – dem Monat, den alle meist als grau und trüb beschreiben. Die Farbenpracht des Oktobers ist vergangen, der Lichterglanz des Dezembers noch weit entfernt. Passend zu der Tristesse des Wetters und der Natur ist er auch der Monat des Totengedenkens. Für viele sind und bleiben die Erinnerungen an ihre Verstorbenen schmerzhaft, was durch die ganze Stimmung des Novembers noch verstärkt wird. Hinzu kommen in diesem Jahr noch die vielen Einschränkungen und Sorgen aufgrund der Corona-Pandemie. Und dennoch hat der November auch seine schönen Seiten. Ist es nicht etwas Wunderbares, fast Mystisches, wenn am Ende eines Tages in der Dämmerungen die Nebel aufsteigen und die Landschaft nach und nach umhüllen wie ein sanfter Schleier?

Wenn wir durch die fallenden gelben Blätter gehen, die der Wind von den Bäumen treibt und als weicher Teppich auf die Erde legt. Oder wenn wir im warmen Zimmer sitzen, die ersten Kerzen anzünden und auf die Stille des grauen Tages und der dunklen Nacht lauschen. Das ist die Zeit, in der wir zu uns selber finden können. Das sind die Tage, in denen wir in Ruhe in uns gehen können und nicht nur an die Toten denken sollen, sondern auch daran, was in unserem Leben alles tot oder am Absterben ist. Gibt es Beziehungen, die man nicht mehr gepflegt und einfach hat einschlafen lassen? Habe ich mich für Dinge interessiert und engagiert, aber es dann irgendwann aus Bequemlichkeit aufgegeben? Gibt es viel Belastendes in meinem Leben, das mich lähmt oder die Luft zum Atmen nimmt? Wie ist es um mein Glaubensleben bestellt, ist es mehr tot als lebendig? Sicher sind solche Gedanken manchmal so grau wie ein nebliger Novembertag und vielleicht auch nicht schön zu denken. Denn zu gerne verdrängen wir, dass alles im Leben, auch wir, begrenzt und vergänglich ist. Aber dieses sich Bewusstmachen, aus dem In-sich-hineinhören und Erkennen, was neu belebt werden kann oder von wem oder was ich mich besser verabschieden sollte, weil es eben vergangen ist, erwächst uns auch ein Gewinn.

Denn so wie aus den brachen Feldern der Natur im nächsten Frühjahr das neue Leben keimt, so können wir aus den brachen Stellen in unserem Leben völlig Neues entstehen lassen. Frieden mit uns selbst, Freiraum für neue Erfahrungen, Erneuerung unserer Beziehungen – zu den Menschen, aber auch zu Gott.

Nutzen wir die Stille des Novembers dafür, Ruhe zu finden, die Menschen und die Dinge zu bewahren, die wichtig sind und Unnützes gehen zu lassen. Gehen wir doch mal am Abend über den Friedhof mit all den brennenden Kerzen auf den Gräbern und spüren den Frieden und die Sanftheit des Momentes. Lassen wir die Stille in unser Herz. Werden wir uns bewusst, dass aus all dem Vergänglichen auch neues Leben erwächst. Dann erscheint uns der November auch nicht mehr grau und trüb, sondern eher als gedämpftes Licht, das durch den Nebel fällt und uns sanft und ruhig umhüllt.

P. Jim John, OCarm
Pfarrvikar

Das Evangelium vom 28. Sonntag erzählt uns von einem König, der die Hochzeit seines Sohnes geplant hat. Alles ist vorbereitet und die Diener werden ausgeschickt, um die Gäste persönlich einzuladen. Der König schickt also nicht irgendeine Einladung auf einer hübsch gestalteten Karte. Nein, er beauftragt sein Personal. Ich finde, dadurch wird die Einladung ganz schön exklusiv.

Doch dann geschieht das Unglaubliche: Den Gästen ist die Einladung egal. Sie haben Wichtigeres zu tun oder sie fallen sogar über die Diener des Königs her. Für mich irgendwie unvorstellbar.

Wenn mich jemand sogar persönlich einladen lässt, dann wirkt das auf mich so, als mein Kommen unverzichtbar. In der heutigen Sprache wäre ich demnach eine VIP – eine Very Important Person. Keine Frage, dass ich da auf jeden Fall kommen würde.

Nun könnte man denken: Das ist wieder so eine Geschichte, wie sie Jesus eben gerne erzählt.

Doch wenn ich so darüber nachdenke, dann ist die Geschichte topaktuell. Wie wäre es, wenn wir statt König Gott in die Geschichte einsetzen. Er richtet eine Feier her. Er lässt uns durch seine Diener – in dem Fall Menschen, die in der Kirche haupt- und ehrenamtlich arbeiten – einladen.

Ja und dann … dann interessieren sich nur wenige für die Einladung. Viele haben Wichtigeres zu tun oder sie schimpfen über Gott und die Kirche.

Wenn man die Geschichte so betrachtet, dann könnte man sagen: Jesus hat genau gewusst, wie es einmal bei uns sein würde. In der Erzählung von Jesus ergeht es den Menschen, die die Einladung des Königs missachten, danach sehr schlecht.

Da stellt sich für mich die Frage: Was wird aus einem Volk, einem Land, der Menschheit an sich, wenn Gott ausgeschlossen wird? Wenn wir beschließen, dass wir seine wohlmeinenden Weisungen fürs Leben ignorieren? Ich denke, die täglichen Nachrichten sind darauf Antwort genug.

Ich glaube, wir können das Evangelium vom 28. Sonntag als Weckruf verstehen. Als Ruf an alle Gläubigen auf der ganzen Welt, als Ruf an jeden von uns: Schließt Gott nicht aus! Sorgt dafür, dass Gott nicht vergessen wird! Lasst euch von ihm einladen und ladet auch andere ein! – Auch wenn das manchmal mühevoll und frustrierend ist. Doch wenn wir nicht dranbleiben, wird Gott vielleicht wirklich vergessen und ich weiß nicht, ob eine Welt ohne Gott für uns noch lebens- und liebenswert ist.

Michaela Maier, Gemeindereferentin

herr, manchmal habe ich angst vor dir
jetzt komme ich ganz gut zurecht
so wie ich mir mein leben eingerichtet habe …
ich habe angst dass dir der herrgottswinkel nicht genügt
dass du die ganze existenz beanspruchst

Karl Josef Kassing, in: Versuch über Wellen zu gehen, Fohrmann Verlag, Köln 2020

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

Der Herrgott verlässt seinen Herrgottswinkel und erhebt Ansprüche, er meint es ernst mit mir. Worte, die mich nachdenken lassen. Eigentlich will ich ja Gott nicht fürchten, ich glaube, dass er es gut mit mir meint. Wenn ich hinhöre auf seine Worte, dann kann ich nicht ganz falsch liegen. – So habe ich es mir eingerichtet in meinem Leben, auch mit meinem Gott.

Wenn ich auf Jesus höre, dann merke ich: Der ist ein Radikaler: Radikales Gottvertrauen verkündet er, radikale Nächstenliebe fordert er, er will die Menschen verändern: Aus Egoisten will er Altruisten machen: Aus Personen, die um sich selber kreisen und ihr eigenes Wohl und ihr eigenes öffentliches Bild in den Vordergrund stellen will er mitfühlende Frauen und Männer machen: Die den anderen in den Blick nehmen und den Vortritt lassen und für ihn/sie da sein wollen.

Der Herrgott verlässt seinen Winkel und stellt sich in die Mitte der Welt. Und er will eine neue Welt. Eine Welt, die wirklich eine „schöne, neue Welt“ ist. Jesus spricht da vom Reich Gottes. Und wir sprechen seine Worte nach: „… dein Reich komme, dein Wille geschehe“.

Wenn ich das bete und so meine, wie ich es ausspreche, dann verändert das etwas in mir. Dann leitet das einen Wechsel meiner Blickrichtung ein. Dann fange ich an, die Welt mit anderen Augen zu sehen: Nicht: Was kann sie mir bieten, was können andere für mich tun? – Sondern: Was ist meine Aufgabe in der Welt, was muss ich leisten und wirken, welchen Platz muss ich einnehmen im Miteinander der Menschen?

Gott hat seinen Platz nicht in einem Winkel meines Lebens, im stillen Gebet während des Tages, in einer Stunde am Sonntag. Er ist da in allen anderen Stunden und im lauten Getriebe. Da bei mir: Und er ist nervig, er beansprucht immer von mir, das Richtige zu tun. Er beansprucht die ganze Existenz. – Das ist gut so, davor brauche ich keine Angst zu haben, es macht mich zu einem aufrechten Menschen, der ich ja sein will.

Das ist nicht einfach, nicht bequem. Dass Ihnen das immer mehr gelingt, das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Ihr
Dieter Zinecker, Pfarrer

Liebe Gläubige,

in diesem Leben können wir keine großen Dinge tun. Wir können nur kleine Dinge mit großer Liebe tun.

Dieser Spruch ist für mich einer der schönsten, den uns Mutter Theresa aus ihrem segensreichen Leben hinterlassen hat. Denn Liebe ist das Essentiellste unseres Lebens, egal um welche Liebe es sich handelt: sei es die Liebe zum Kind, zu den Eltern, zum Partner, die Liebe zur Arbeit oder natürlich die Liebe zu Gott. Wie arm wäre unser Leben ohne Liebe, wie einsam muss man sich fühlen, wenn man Liebe weder gegeben noch geschenkt bekommen hat. Ohne Liebe werden wir hartherzig und klein.

Um andere lieben zu können, müssen wir zunächst uns selbst lieben. Nicht umsonst hat Jesus zu uns gesagt: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Daher beginnen wir bei uns selbst, lieben wir uns, tun wir uns Gutes. Finden wir Gefallen an dem, was wir tun. Erst aus diesem Gefühl heraus sind wir in der Lage, andere zu lieben, aber auch das, was wir tun, zu lieben. Wenn wir in Liebe leben, gelingt uns alles leichter, was wir mit Liebe tun fällt uns nicht schwer. Es ist ein sehr schönes, befriedigendes Gefühl, etwas – selbst Kleines – mit großer Freude und Liebe zu tun. Um so schöner, wenn wir es für einen Anderen tun.

Mutter Theresa, deren Gedenktag wir am 5. September feiern, konnte nur deswegen so viel leisten, weil sie erfüllt mit Liebe war. Das bedeutet nicht, dass sie frei von Zweifeln war, manchmal sogar Groll verspürte und am Ende des Tages erschöpft und leer war. Aber die Kraft der Liebe ließ sie all das überwinden und diese Haltung sollten wir uns zum Vorbild nehmen. Geben wir der Liebe jeden Raum, den sie braucht, verschenken wir sie im Überfluss, tun wir aus dieser Liebe heraus Gutes an unseren Mitmenschen. Folgen wir einer weiterer ihrer Aussagen: Es genügt nicht zu sagen: ich liebe. Liebe muss lebendige Tat werden. Sollte uns das gelingen, sollten wir all die kleinen Dinge, die wir tun mit Liebe füllen, wird unser Leben reicher und liebevoller werden. Vor allem aber sind wir dann nicht nur in guter Nachfolge Mutter Theresas, sondern auf dem Weg, den Jesus uns durch sein Leben gezeigt hat.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie die Kraft der Liebe täglich in Ihrem Leben verspüren.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar