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Sei gegrüßt, du Frau der Welt,
Königin im Himmelszelt,
Reinste Jungfrau der Jungfrauen,
Morgenstern, auf den wir schauen.
Sei gegrüßt du göttlich Licht,
Voller Gnad, schön zugericht,
Komm zu Hilf dem Erdenkreis,
Du, o aller Frauen Preis

(Angelus Silesius)

Liebe Gläubige,

wir sind im Wonnemonat Mai angekommen, dem vielleicht schönsten Monat des Jahres überhaupt. Die Natur erwacht zu neuem Leben, sie wirkt völlig rein und frisch. Nicht umsonst ist dieser Monat auch der, den wir Katholiken Maria, der Gottesmutter, gewidmet haben. Maria wird in allen Bildnissen schön und rein dargestellt, Lilien sind ihre Begleiter. Die Schönheit der Natur im Mai und die Schönheit Mariens bilden eine wunderbare Einheit, die wir in vielen Maiandachten, in geschmückten Marienaltären, im Beten von Rosenkränzen und beim Singen von Marienliedern würdig feiern.

Doch auch wenn wir besonders im Mai Maria huldigen, so wandten sich die Gläubigen schon zu allen Zeiten an Maria. Wir wenden uns an sie während Naturkatastrophen, bei Krankheiten oder in jeder anderen schwierigen Lebenslage. Sie ist unsere Fürsprecherin bei Gott, die Mittlerin in all unseren Problemen. Wir wenden uns an sie, weil sie die Menschen versteht. Denn sie ist durch alle Probleme des Menschseins gegangen. Obwohl sie Gottes Auftrag aufrichtig angenommen hat, war er sicherlich nicht immer einfach. Schon die Umstände der Geburt waren alles andere als normal. Sicher war auch die Zeit Jesu, als er das Wort Gottes verkündete, nicht immer frei von mütterlicher Sorge. Und schließlich musste sie sogar das Schlimmste ertragen, was eine Mutter erleben kann: den Tod ihres Sohnes. Keine kennt also den Schmerz und Kummer wie sie.

Das Wichtigste aber überhaupt: Maria hat den Sohn Gottes zur Welt gebracht, durch sie kam der Erlöser erst in unsere Welt. Als Mutter Jesu verehren wir sie, als unser aller Mutter lieben wir sie. Was läge auch näher, als sich in der Not an die Mutter zu wenden? Wir bitten um ihre Hilfe, wie wir auch die eigene Mutter bitten würden, weil wir wissen, dass Maria in mütterlicher Zärtlichkeit immer da ist und mit und für uns betet.

Und wir verehren sie, weil sie in ihrem Leben auf einzigartige Weise die Grundhaltung des Glaubens gelebt und uns so gezeigt hat, wie Gott wirkt, wenn wir uns ihm ganz öffnen. Bei aller berechtigter Huldigung sollten wir aber nicht vergessen, dass wir in Maria vor allen Dingen das Heilswerk Gottes, das er durch Maria getan hat, die Menschwerdung Jesu Christi preisen und dass wir durch Maria zur richtigen Christusverehrung geführt werden. Zu Jesus Christus, unserem einzigen Erlöser.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar

Mit Jesus verbunden

Damit die Jünger die Verbindung zwischen Gott und Menschen verstehen, bedient Jesus sich im Evangelium vom 5. Sonntag der Osterzeit eines Bildes aus dem Alltag der damaligen Menschen: Das Bild von einem Weinstock.

Jesus sieht sich als der Weinstock, der die Menschen (Reben) mit dem versorgt, was sie brauchen. Diese Verbindung ist für die Menschen lebensnotwendig. Wenn ein Mensch die Verbindung zum Weinstock löst, ist er – nach den Worten des Evangeliums – nicht überlebensfähig. Auf den Glauben bezogen heißt das: Ohne Jesus fehlt dem Glauben die Grundlage. Ein Glaube ohne Grundlage ist nicht möglich.

Am Eingang unserer Pfarrkirche wird dieser Zusammenhang noch in ein ganz anderes Bild gebracht. Genau über dem Eingang findet sich das Gesicht Jesu in Stein gehauen. Wenn ich durch den Eingang gehe, dann kommen mir die Worte aus dem Hochgebet in den Sinn: „Durch ihn und mit ihm und in ihm …“.

Der Kopf Jesu ist über der Tür. Die Tür kann man somit auch als Körper Jesu sehen. Wenn ich also durch die Tür trete, dann gehe ich in ihn hinein, ich bin in ihm und werde durch ihn gestärkt.

Jeder Besuch der Kirche ist also eine Bestätigung und Bestärkung meiner Verbindung zu Jesus. Ich bleibe so an Jesus dran, wie eine Rebe am Weinstock und mein Glaube bekommt die Nahrung, die er braucht.

Eine gute, stabile Glaubensverbindung wünscht Ihnen
Michaela Maier, Gemeindereferentin

 

gebet
Sich wie ein Weizenkorn der Erde überlassen
und verwandelt werden,
wenn der Alltag Enttäuschungen und Schweres mit sich bringt
sich überlassen – sich verwandeln lassen
wenn Katastrophen zur Verzweiflung bringen
sich überlassen – sich verwandeln lassen
wenn wir uns die Frage nach dem Sinn stellen
sich überlassen – sich verwandeln lassen
Mit Christus dem Weizenkorn sterben
und zum Leben verwandelt werden

(Dr. Ursula Schell, in: Aufbruch für die Seele. Der Kalender für die Fasten- und Osterzeit 2021 Vivat/ St. Benno Verlag, Leipzig, 21.3.2021)

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

In der sperrigsten Zeit für den Glauben stehen wir jetzt: Die Karwoche stellt uns das Ende des Lebens von Jesus vor Augen. Am Ende erfährt er Ablehnung, ja die klare Forderung: Ans Kreuz mit ihm. Am Ende verlassen ihn die treuesten Gefährten, ja sie erklären, nichts mit ihm zu tun zu haben. Am Ende stehen Leid, das Kreuz, der Tod.

Das Leid steht da, wir blicken auf den Gekreuzigten. Was hat das denn für einen Sinn?

Wir verehren nicht das Leid. Wir blicken auf Jesus und auf die Liebe, mit der er diesen Weg gegangen ist. Er ist kein Gescheiterter, er hat nicht die Auseinandersetzung mit den Mächtigen seiner Zeit einfachhin verloren.

Er ist der Bruder der Menschen auch im Leid: Viele schauen auf das Kreuz und spüren Trost: Selbst der Sohn Gottes hat das alles erfahren, es kennen gelernt und am eigenen Leib erfahren. In diesen Stunden, in denen es mir so geht, bin ich nicht allein: Das stumme Kreuz zeigt den, der mit mir fühlen kann.

„Mit Jesus, dem Weizenkorn, sterben und zum Leben verwandelt werden.“ Das steht am Ende dieser Woche, am Ende des Weges durch dunkle Strecken. Er gibt das Ziel an: Das Licht des Ostermorgens, die Hoffnung auf ein neues, verwandeltes und bleibendes Leben.

Diese Woche überlässt uns den tiefen menschlichen Erfahrungen. Überlassen wir uns auch der großen Hoffnung des Glaubens: Am Ende hat nicht der Tod das letzte Wort, sondern Gott, der ein Gott des Lebens ist.

Ihnen einen guten Gang durch diese Tage, durch diese Erfahrungen.
Ihr
Dieter Zinecker, Pfarrer

Liebe Gläubige,

mein Landsmann Mahatma Gandhi sagte einst: „Die Fastenzeiten sind Teil meines Wesens. Ich kann auf sie ebenso wenig verzichten wie auf meine Augen. Was die Augen für die äußere Welt sind, das ist das Fasten für die innere.“

Diese Art von Fasten, wie Gandhi es hier beschreibt, hat nichts mit Abnehmen zu tun – das ist offensichtlich, wenn man sich die Erscheinung Gandhis vor Augen führt. Diese Art von Fasten soll viel mehr zu uns selbst und dadurch zu Gott führen. Auch wenn Gandhi Hindu war, so ist das Fasten, um zu sich selbst zu kommen, religionsübergreifend. Denn in jeder Religion sollte man zu Gott finden.

Für uns Christen ist gerade das Fasten in den 40 Tagen vor Ostern wichtig. Schließlich feiern wir an Ostern die Essenz unseres Glaubens – die Bezwingung des Todes, die Auferstehung Christi. Wie könnten wir das nur halbherzig tun? Daher ist ja auch die Vorbereitung darauf so wichtig. Das Fasten soll uns frei machen von den äußeren Bedürfnissen, im Fasten können wir spüren, dass der Verzicht uns nichts nimmt, sondern viel mehr etwas gibt: nämlich einen klareren Geist und tiefere Verbundenheit mit uns selbst. Aus diesem Gefühl heraus fällt es uns auch leichter, in uns hinein zu spüren, zu schauen, wie unsere Beziehung zu Gott ist, wie ich mein Christsein lebe.

Wer schon einmal eine echte Fastenkur gemacht hat, kennt das Hochgefühl, die klaren Gedanken und die Leichtigkeit der Seele, die sich nach den ersten Tagen einstellt. Doch natürlich kann und will nicht jeder so fasten. Jeder sollte es aber auf eine Art und Weise tun, die ihm möglich ist. Für den einen ist es der Verzicht auf Alkohol oder Schokolade, für den anderen Verzicht auf das Handy oder auf Computerspiele. Aber man kann auch an Verhaltensmustern fasten. Damit meine ich schlechte Angewohnheiten wie zum Beispiel über andere schlecht reden, Vorurteile zu haben oder wenig hilfsbereit zu sein.

Fasten kann aber auch sein, sich jeden Tag Zeit zu nehmen für einen Menschen, der gerade Unterstützung braucht oder sich intensiv in Stille und Ruhe ins Gespräch mit Gott zu vertiefen. Egal, für was wir uns entscheiden, das Wichtigste dabei ist, es aufrichtig und bewusst zu tun, in uns hinein zu hören, es zu reflektieren und daraus eine Erkenntnis zu ziehen. Vieles kann sich dabei für uns klären, kann uns den Blick auf das Wesentliche wieder frei machen.

Vor allem aber bringt uns dieses Bemühen in eine tiefere Beziehung zu Gott. Selbst wenn wir nun schon mitten in der Fastenzeit sind – es ist nicht zu spät, mit dem Fasten zu beginnen. Vielleicht mag sich der ein oder andere ja doch noch auf diesen Weg begeben. Auf den Weg näher zu sich selbst, näher zu Gott und näher zu Ostern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute, erfolgreiche Fastenzeit.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“

… so lautet ein alter Spruch. Dieser Satz klingt eigentlich etwas deprimierend. Er hört sich so an, als käme danach nichts mehr. Doch stimmt das?

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ bezieht sich in erster Linie auf den Fasching. Und der endet am Aschermittwoch. Das ausgelassene Feiern mit bunten Gewändern, in denen man versucht, in eine andere Rolle zu schlüpfen, endet. Die Verkleidung kommt in den Schrank, der Alltag kehrt wieder ein und wir sind wieder die, die wir sind – mit all unseren Aufgaben.

Und so endet am Aschermittwoch zwar eine besondere Zeit, aber wir gehen in eine neue Zeit. Wir stehen also nicht vor einem Nichts. Im Gegenteil. Mit der Fastenzeit beginnt eine Zeit in der es nicht darum geht, ein anderer zu sein, sondern eher darum, ich selbst zu sein.

Da geht es um die Fragen: Wer bin ich eigentlich wirklich? Bin ich der, der ich sein möchte? Bin ich so, wie ich sein möchte? Bin ich so, wie Gott mich gerne haben möchte? Lebe ich nach seinen Geboten? Und wenn nicht: Was hindert mich daran, nach Gottes Geboten zu leben?

Wenn wir genau über diese Fragen nachdenken, dann merken wir: Die Antworten auf diese Fragen lassen sich vielleicht noch leicht finden. Doch die Antworten auch auszuhalten – wenn ich ehrlich zu mir selbst bin – das ist unter Umständen alles andere als leicht. Denn diese Antworten bedingen, je nachdem, ein kleineres oder größeres Umdenken und Anders machen. Und genau das ist echte Arbeit. Das ist eine Arbeit, die nicht von heute auf morgen geht. Das ist eine Arbeit über Wochen. Das ist eine Arbeit, die einen Willen zum Durchhalten voraussetzt.

Und somit kann man sagen: Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. Im Gegenteil: Da geht es erst richtig los! Und Jesus ermutigt uns im Evangelium vom Aschermittwoch. Er sagt: „Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

In diesem Sinne: Viel Erfolg bei den kleineren und größeren Arbeiten und eine gute Fastenzeit!

Michaela Maier, Gemeindereferentin

Die Apostelbriefe und Evangelien … „gaben ja die Botschaft wieder, die von Jesus stammte, und die Apostel als >Zeugen erster Hand< galten als verlässlich und inspiriert.

Roger Lenaers, Der Traum des Königs Nebukadnezar.
Das Ende einer mittelalterlichen Kirche, edition anderswo 2005, S 48 ff

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

Das ist für mich ein Gedanke, über den ich immer wieder nachdenke: Was wir als Kirche tun, wie ich selber lebe, stimmt das, ist das richtig? Vieles liegt auf meinem Schreibtisch. Mein Tag füllt sich, manchmal bin ich aktiv, packe was an und es geht mir schnell von der Hand. Ein andermal schleppe ich mich so dahin, werde dann mit dem Nötigsten gerade noch fertig.

Was ist wichtig und richtig? Nicht nur meine einzelnen Taten. Nein, dass ich weiß: Jesus nimmt mich in den Dienst, er beansprucht mich. Dem kann ich nicht ausweichen. Und das gilt ausdrücklich nicht nur für Priester, Ordensleute, pastorale Mitarbeiter, die fest im Dienst der Kirche stehen.

Mein Handeln und die Art, wie ich auf andere wirke, muss etwas ausdrücken, muss einen Kern und eine Mitte haben. „Zeuge erster Hand“ zu sein – das ist der Anspruch, dem ich mich als Christ stelle.

Es ist gut, dass ich nicht alles selber machen muss: Da gibt es innerhalb der Glaubensgemeinschaft Frauen und Männer, die sich um Menschen in Not annehmen. Die nicht die Augen schließen, wenn schon wieder von einer Katastrophe berichtet wird. Menschen, die am Sterbebett anderer wachen und da sind. Die beraten, pflegen, andere nicht alleine lassen.

Andere verstehen sich gut auf die Verkündigung: Sie können die große Währung des Evangeliums einwechseln in Bilder, die treffen, die aufrichten, die Tiefgang haben und das Alte neu ausdrücken.
Die anderen sind wichtig – und ich bin wichtig. Niemand kann mich vertreten und ersetzen. Sonst ist im großen Mosaikbild der Kirche irgendwo eine Lücke. In einem Bild, das „Zeugen erster Hand“ zeigt.

Überlegen Sie einmal, was Sie besonders gut können, was Ihr Talent, Ihr Charisma ist – und freuen Sie sich daran.

Ihnen alles Gute, eine gesegnete Zeit.
Ihr Dieter Zinecker, Pfarrer

Ich sagte zu dem Engel
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit
entgegengehen kann!
Aber er antwortete:
Gehe nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes!
Das ist besser als ein Licht
Und sicherer als ein bekannter Weg!

Liebe Gläubige,

ja, wer braucht in diesen Zeiten nicht ein Licht oder eine Hand, die einen durch die Tage führt! Wir alle beginnen das Neue Jahr in der Ungewissheit, wie es weitergehen mag. Viele sind mutlos, aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Diese Hoffnung dürfen wir uns nicht nehmen lassen, denn trotz aller Sorgen und Unsicherheiten bietet das Leben so viel Schönes. In der Natur, in der Liebe zu Familie und Freunden, im rücksichtsvollen und fürsorgenden Umgang mit unseren Mitmenschen. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten. Es mag vielleicht nicht immer leicht fallen, das Schöne zu sehen oder immer hoffnungsvoll und optimistisch zu sein. Doch es gibt eine Quelle der Kraft und des Lichts, die uns stets zugänglich ist und nie versiegt und die uns hilft, immer ein Licht im Dunkel zu sehen – Gott! Aus dieser Quelle dürfen wir reichlich schöpfen, denn in allen Ungewissheiten ist eines sicher: Gott bleibt bei uns, auf allen Wegen, in allen Zeiten.

Wir müssen uns nur darauf besinnen und in echtem Gottvertrauen unsere Hand in seine legen. Der Weg an sich wird dadurch nicht unbedingt leichter, aber Gott wird uns dabei helfen, das Schwierige auszuhalten und das Schöne zu sehen. So können wir unsere Wege gehen, egal wohin sie führen, egal wie ungewiss sie sind.

Legen Sie also getrost Ihre Hand in die Hand Gottes auf dem Weg in ein gutes, erfülltes und gesundes Neues Jahr und spüren Sie, wie Sie zuversichtlich und hoffnungsvoll Ihre Wege gehen können.

P. Jim John OCarm
Pfarrvikar

Welch ein Gedankensprung!
Wie würde ich reagieren, wen plötzlich ein Fremder in meinen eigenen vier Wänden erscheint?
Was würde ich denken, wenn mich dieser Fremde mich auf ungewohnte Art und Weise grüßt?
Was würde ich tun, wenn dieser Fremde mich mehr oder weniger vor vollendende Tatsachen stellt?

Liebe Leser,

wenn wir am vierten Adventsonntag vom Besuch des Engels Gabriel bei Maria hören, dann ist das für unsere Ohren eine bekannte Geschichte. Der Engel kommt, sagt, was Gott will und Maria stimmt zu. Fertig.

Aber wenn wir uns das Szenario wirklich vorstellen, dann finde ich, dass nichts so einfach und geschmeidig ist, wie es die vertrauten Worte erscheinen lassen.

Da steht bei Maria plötzlich ein Fremder, der sie auch noch seltsam anspricht und ihr dann verkündet, was Gott für sie vorgesehen hat. Wenn ich mich in die Rolle von Maria versetze… welch ein Gedankensprung!

Zum einem würde ich wohl zu Tode erschrecken, wenn da plötzlich jemand im Zimmer ist, mit dem ich jetzt überhaupt nicht gerechnet habe. Eine seltsame Anrede würde bei mir den Eindruck verstärken, dass da jetzt etwas so gar nicht richtig läuft. Und wenn mir dann dieser Wildfremde sagt, wie von jetzt an mein Leben geplant ist – ja, dann glaube ich, hätte ich entweder erst mal gesagt: „Stopp. Erst mal langsam.“ Oder sogar: „Das kannst du vergessen. Ich mach da nicht mit. Such dir eine andere.“

Ganz sicher war Maria anders gestrickt, als eine Frau im Jahr 2020. Aber trotzdem kann für sie das „Ja“ zu Gottes Plan auch nicht leicht gewesen sein. Eine Frau, die unverheiratet schwanger wird – so jemand musste damit rechnen, von der eigenen Familie verstoßen zu werden. Dass ein Verlobter sich darauf einlässt, dass seine Braut ein Kind von einem anderen bekommt – davon war jetzt auch nicht gleich auszugehen. Und nicht zuletzt: Maria hatte ganz sicher einen Plan von ihrer Zukunft: Erst einmal heiraten und dann eine Familie gründen. Ganz klassisch, so wie es alle von ihr erwarten und wie sie es auch sicher selbst wollte. Aber so… welch ein Gedankensprung!

Im Besuch des Engels bei Maria steckt der Anfang von Jesus in unserer Welt. Und wenn man diesen Anfang durchdenkt, dann eckt Jesus eigentlich schon hier an, nicht erst, als er im Erwachsenalter zum Problem für die jüdische Oberschicht wird.

Jesus fügt sich nicht geschmeidig in unsere Welt ein. Dann hätte ihn auch niemand wahrgenommen. Er ist anders und kommt anders, als man denkt. Er mutet etwas zu – nicht nur Maria. Er mutet es uns zu, im Kind in der Krippe den großen Gott zu erkennen. Welch ein Gedankensprung!

Eine schöne Adventszeit und eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Michaela Maier, Gemeindereferentin

Außerdem stellt der Christkönigssonntag die kritische Frage, ob … wir … noch bereit und fähig sind, die dunklen Seiten des Lebens und die Not anderer wahrzunehmen. Vielleicht sollten wir einüben, weniger auf „Augenhöhe“ (wie es so oft gefordert wird), sondern mehr auf „Herzhöhe“ wahrzunehmen und zu handeln.

Burkhard R. Knipping, Wegweisung zum Sonntag,
in: Die Botschaft heute 9/2020, S. 353

Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen!

„Einander auf Augenhöhe begegnen:“ Das höre und lese ich immer wieder. Und es ist ja ein guter Gedanke: Dass für jeden klar ist: Alle sind gleich viel wert, es gibt im gelingenden Miteinander kein „oben“ und „unten“. Wenn einer immer alles besser wissen will, und mit dieser Grundhaltung auf den anderen einredet, dann wird das auf Dauer kein gutes Miteinander ergeben.

Und noch mehr liegt in dem Gedanken: „einander auf Herzhöhe begegnen:“ Das Herz ist für uns das Sinnbild des Gefühls, der Zuneigung, der Liebe. Mit meinem Bemühen, deine Gefühlswelt wahrzunehmen, Dich zu verstehen in dem, was Dich innerlich bewegt, da komme ich Dir nahe. Da kann ich körperliche Distanz aus dem Weg räumen, weil ich Dir nahe komme in dem, was Dich bewegt und umtreibt.

„Empathie“ – Einfühlungsvermögen – ist das Zauberwort. Das braucht Geduld, da muss ich immer wieder mit dem anderen zusammenkommen, mit ihm reden, ihm zuhören. Wenn er dann noch mehr erzählt als die Erlebnisse seines Alltags, dann kann ich irgendwann mit ihm fühlen, in seine Welt einsteigen.

In Christus begegnet uns Gott auf Herzhöhe. Er ist uns ganz nah gerückt und bleibt doch souverän: Er steht weiter als großer Sinnhorizont über dieser Welt. Dieser Gedanke ist für mich wie eine Klammer zwischen dem Christkönigssonntag und dem 1. Advent: Eine Klammer vom Schluss des alten Kirchenjahres hin zum Beginn des neuen.

Manches in den kommenden Wochen mag anders sein als wir es von früheren Jahren her kennen. Aber das Eine bleibt: Im Advent bereiten wir uns vor und erwarten wir mit gerührtem Herzen das Fest, das uns vor Augen hält: Gott kommt herab in unsere Welt, in unser Leben. Manches ist da unordentlich, manches ist oberflächlich, manches ist unansehnlich. Aber unser Leben – und wir – sind es Gott wert, dass er uns „auf Herzhöhe“ begegnen will.

Das wünsche ich Ihnen, dass sie das wieder spüren im Advent: Gott auf Herzhöhe mit uns Menschen.

Ihnen alles Gute, eine gesegnete Adventszeit.
Ihr Dieter Zinecker, Pfarrer

Liebe Gläubige,

nun sind wir wieder im November angelangt – dem Monat, den alle meist als grau und trüb beschreiben. Die Farbenpracht des Oktobers ist vergangen, der Lichterglanz des Dezembers noch weit entfernt. Passend zu der Tristesse des Wetters und der Natur ist er auch der Monat des Totengedenkens. Für viele sind und bleiben die Erinnerungen an ihre Verstorbenen schmerzhaft, was durch die ganze Stimmung des Novembers noch verstärkt wird. Hinzu kommen in diesem Jahr noch die vielen Einschränkungen und Sorgen aufgrund der Corona-Pandemie. Und dennoch hat der November auch seine schönen Seiten. Ist es nicht etwas Wunderbares, fast Mystisches, wenn am Ende eines Tages in der Dämmerungen die Nebel aufsteigen und die Landschaft nach und nach umhüllen wie ein sanfter Schleier?

Wenn wir durch die fallenden gelben Blätter gehen, die der Wind von den Bäumen treibt und als weicher Teppich auf die Erde legt. Oder wenn wir im warmen Zimmer sitzen, die ersten Kerzen anzünden und auf die Stille des grauen Tages und der dunklen Nacht lauschen. Das ist die Zeit, in der wir zu uns selber finden können. Das sind die Tage, in denen wir in Ruhe in uns gehen können und nicht nur an die Toten denken sollen, sondern auch daran, was in unserem Leben alles tot oder am Absterben ist. Gibt es Beziehungen, die man nicht mehr gepflegt und einfach hat einschlafen lassen? Habe ich mich für Dinge interessiert und engagiert, aber es dann irgendwann aus Bequemlichkeit aufgegeben? Gibt es viel Belastendes in meinem Leben, das mich lähmt oder die Luft zum Atmen nimmt? Wie ist es um mein Glaubensleben bestellt, ist es mehr tot als lebendig? Sicher sind solche Gedanken manchmal so grau wie ein nebliger Novembertag und vielleicht auch nicht schön zu denken. Denn zu gerne verdrängen wir, dass alles im Leben, auch wir, begrenzt und vergänglich ist. Aber dieses sich Bewusstmachen, aus dem In-sich-hineinhören und Erkennen, was neu belebt werden kann oder von wem oder was ich mich besser verabschieden sollte, weil es eben vergangen ist, erwächst uns auch ein Gewinn.

Denn so wie aus den brachen Feldern der Natur im nächsten Frühjahr das neue Leben keimt, so können wir aus den brachen Stellen in unserem Leben völlig Neues entstehen lassen. Frieden mit uns selbst, Freiraum für neue Erfahrungen, Erneuerung unserer Beziehungen – zu den Menschen, aber auch zu Gott.

Nutzen wir die Stille des Novembers dafür, Ruhe zu finden, die Menschen und die Dinge zu bewahren, die wichtig sind und Unnützes gehen zu lassen. Gehen wir doch mal am Abend über den Friedhof mit all den brennenden Kerzen auf den Gräbern und spüren den Frieden und die Sanftheit des Momentes. Lassen wir die Stille in unser Herz. Werden wir uns bewusst, dass aus all dem Vergänglichen auch neues Leben erwächst. Dann erscheint uns der November auch nicht mehr grau und trüb, sondern eher als gedämpftes Licht, das durch den Nebel fällt und uns sanft und ruhig umhüllt.

P. Jim John, OCarm
Pfarrvikar