Obst, Gemüse, Getreide und Blumen diese Gaben der Natur finden sich zum Erntedankfest überall in den Gotteshäusern. Auch die Expositur in Vilzing feierte Erntedank in der Sankt-Laurentius-Kirche. Nach der Segnung des Erntedankaltares dankte Pater Jim in seiner Predigt nicht nur für die Ernte selber, sondern auch den Menschen, die dafür hart arbeiten und oft genug mit den Widrigkeiten des Wetters oder anderen äußeren Einflüssen zu kämpfen haben.

„Gerade heuer“, so Pater Jim, ein Jahr in dem Corona so vieles verändert und so viele Einschränkungen mit sich gebracht hat, sollten wir uns besonders bewusst werden, was es bedeutet, eine intakte Natur und genügend zum Essen zu haben. Durch Corona haben wir gesehen, wie viel ganz schnell wegbrechen kann, was sonst so selbstverständlich ist. Anderseits hat uns der Lockdown im Frühjahr auch gezeigt, wie sehr wir unserer Umwelt durch unsere Lebensweise bereits geschädigt haben. Durch den erzwungenen Stillstand konnte sich die Natur an vielen Orten wieder erholen und zur Ruhe kommen. Der Smog in China und Indien löste sich auf. Wir konnten zum ersten Mal seit vielen Jahren in der klaren Luft den Himalaya sehen! In Venedig schwammen wieder Fische in den Lagunen, in den man nun wieder bis auf den Grund sehen konnte. Und viele Menschen haben plötzlich wieder ihre Heimat wertschätzen gelernt, sind mit neu geöffneten Augen durch unsere Natur gegangen. Andere haben das Gärtnern wiederentdeckt oder mehr Wert daraufgelegt, ihre Produkte beim heimischen Bauern oder Gärtner zu kaufen. Dies, finde ich, ist durchaus etwas sehr Positives und passt wunderbar zu Erntedank“, so der Geistliche.

„Wir dürfen heute zutiefst dankbar sein, für alles, was die Natur uns schenkt. Gleichzeitig aber müssen wir auch darüber nachdenken, wie und was wir konsumieren. Denn wir schulden der Schöpfung Gottes und damit Gott Respekt im Umgang mit dem, was wir bekommen haben. Dazu gehört sich immer bewusst zu machen, was man isst, woher es kommt und unter welchen Bedingungen produziert wurde. Wir brauchen doch keine Erdbeeren im Dezember oder täglich billiges Fleisch aus Massentierhaltung. Lieber saisonal kochen und damit den heimischen Landwirt unterstützen. Lieber weniger Fleisch aus guter, verantwortungsbewusster Tierhaltung essen und damit den Tieren viel Leid ersparen. Wir dürfen aber auch die Menschen nicht vergessen, die für unserer Ernährung arbeiten. Hier bei uns, indem wir sie unterstützen und regional einkaufen. In den meist ärmeren Ländern daran denken, dass die Menschen dort oft unter unwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen für uns arbeiten müssen. Solche Produkte sollten wir nicht unterstützen, sondern dafür lieber in Hilfsprojekte investieren, die es ihnen ermöglichen, würdevoll und selbstbestimmt zu arbeiten. Auch das ist eine Form des Dankes.

Es ist gar nicht so schwer, den Dank des Erntedankfestes jeden Tag zu leben. Denken und danken. Die einzige Voraussetzung dafür ist, es auch zu wollen. Sie werden sehen, dass sich aus bewusstem Leben und einer dankbaren Haltung eine große Zufriedenheit entsteht, dass daraus eine starke Verbundenheit zur Schöpfung und damit zu Gott wachsen kann. Den Gott hat uns reich beschenkt: mit seiner Schöpfung, mit seinem Sohn, mit seiner Liebe. Diesem Vertrauen in uns müssen wir uns würdig erweisen und es Gott täglich durch unseren Dank, durch unseren Respekt vor allem aber durch die Liebe zu ihm bezeugen. Nicht nur heute, an Erntedank, sondern jeden einzelnen Tag unseres Lebens beendete Pater Jim seine Predigt.

Vor dem Schlusssegen dankte Pater Jim dem Obst und Gartenbau Verein Vilzing für die Gestaltung des wunderschönen Erntedank-Altars.

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