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Vor einer Woche hieß es in der Stadtpfarrkirche St. Jakob wieder „Zwölf Uhr mittags = Orgelzeit“. Der Organist und Kolpings Mitglied Hajo Maier hatte zum Auftakt für die diesjährige Orgelreihen, den alten Meistern, allen voran Johann Sebastian Bach, Nicolaus Bruhns und Dietrich Buxtehude den Vorrang gelassen, bevor er mit der eigenen Konzertparaphrase über „When Israel in Egypt’s Land“ den Abschluss machte.

Das Konzert zur Mittagspause begann mit der Marseillaise, einer Hommage des Organisten an den Sohn der Stadt, Graf Luckner. In der großen Kirche, auf der vom Organisten sehr geschätzten Eisenbarth-Orgel bekamen, die Kompositionen den richtigen Rahmen und es konnte die Fülle der Orgelklangfarben zum Strahlen gebracht werden. Hajo Maier verstand es, mit dem Nachhall zu spielen und zum Beispiel bei Bruhns die Pausen zu einer Gesamtkomposition zusammenzufügen. Die Konzertparaphrase war ein Abschluss, der mit dem bekannten Lied „Go down Moses“ zu einem Ohrwurm für den restlichen Tag wurde.

Der Besuch des Orgelkonzerts war dem Gedanken der Reihe entsprechend. Es gab Besucher, die von Anfang bis Ende die Musik genießen wollten, in ihrer Mittagspause mit Orgelmusik entspannten, aber es gab viele, die für ein paar Minuten einfach zuhörten. Mit Einkaufstüten nur mal eine Pause machen wollten. Selbst eine Mama mit Kleinkind ließ die schöne Musik auf sich wirken.

Das nächste Orgelkonzert „Zwölf Uhr mittags = Orgelzeit“ ist Donnerstag 22. August

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Hajo Maier an der Eisenbarth-Orgel

In der Passionszeit war der Kreuzweg ganz anders zu erleben. Hajo Maier, Orgel und Gabriele Dahlmann, Sprecherin führten die Zuhörer auf dem leidensvollen Weg Jesus von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zu seinem letzten Satz: Es ist vollbracht. Hajo Maier spielte eine Symphonie-Passion. Die große Orgel von St. Jakob, mit ihren unendlichen Klangfarben, ist dafür ideal.

Maier ließ die Orgel vom zartesten Pianissimo bis zum Fortissimo des vollen Werkes erklingen. Jede Station stellte er da und gab mit den Improvisationen diesen ganz besondere Tiefe. Er wählte dazu jedoch nicht nur Moll Tonarten, sondern auch ein helles A-Dur, welches die Dunkelheit durchbricht. Das Thema „Kreuz“ kommt immer wieder in dumpfen Akkorden vor. Als Simon von Cyrene Jesus hilft das schwere Kreuz zu tragen, ist die Stimmung in hellen E-Dur zu erleben. Simon, wie ein helfender Engel – ganz anders als das gaffende, lärmende Volk, das immer wieder in schrillen Tönen seinen Ausdruck findet. Das helle A-Dur lässt Veronika, die Jesus das Schweißtuch reicht, schon fast fröhlich erscheinen. Die weinenden Frauen stellt Maier in einer klagenden c-moll Sequenz da, ein Klagen, das die Kirche St. Jakob erfüllt und die Zuhörer tief trifft. Diabolisch, ja fast grotesk stellt er diese Station da. Die Hammerschläge, die Jesus ans Kreuz nageln, dröhnen durch den Raum. Fast wie das Pochen des Herzens. Von e-Moll nach d-Moll geht es als Jesus am Kreuz stirbt. Leere und Dunkelheit sind fast körperlich zu spüren. Fast wie ein Trauermarsch erscheint die Grablegung.

Die Zuhörer waren sekundenlang ganz still und ließen das Erlebte nachklingen.

Klangfarben für die Ohren gab es am vergangenen Montag bei Orgelkonzert in der Kirche St. Jakob. Die Kolpingsfamilie Cham hatte dazu den Organisten Hajo Maier engagiert. Trotz einer Veranstaltung im Langhaussaal fanden erstaunlich viele Besucher den Weg in die Kirche. Hajo Maier konzertierte gerne auf der Eisenbarthorgel, denn er schätzt deren Klangvielfahlt und die gute Atmosphäre in der Kirche.

Gabriele Dahlmann moderierte das Konzert, in dem sie über die gespielten Werke und die Komponisten Interessantes zu berichten hatte. Das Konzert begann mit dem „Vater der Musik“, wie Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) oft genannt wird. Er spielte die „Toccata d-moll BWV 565 und dazu die Fuge dorisch BWV 538“, eine ungewöhnliche Aufführungsform, aber hörenswert. Drei Choralbearbeitungen Bachs folgten. „Wer nur den lieben Gott lässt walten, BWV 686; Aus tefer Not schrei ich zu dir BWV 659; Nun komm, der Heiden Heiland BWV 659, waren zu hören. Bach war ein großer Choralbearbeiter, für einige hatte er gleich mehrere Bearbeitungen geschrieben. Ihm folgten die Komponisten Dietrich Buxtehude (1637 – 1707) mit Toccata und Fuge F-Dur BuXVW 156, es war zu seiner Zeit ein richtiges Muss für Organisten, diesen Komponisten und Organisten in der Marienkirche Lübeck zu hören und sich von ihm inspiriern zu lassen. Nicolaus Bruhns (1665 – 1697) war ein Schüler Buxtehudes und wurde von diesem sehr geschätzt. Bruhns war ein musikalisches Multitalent, er spielte in Husum ab und an gleichzeitig Geige und an der Orgel mit dem Pedal den Bass und sang dazu. In der an diesem Abend gespielten Komposition Praeludium und Fuge e-moll, ist dieses „Geigen“ deutlich zu hören. Mit Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) Praeludium G-dur op 37, das an die Lieder ohne Worte erinnert, ging der erste Teil „Paradiesisch“ – sanft zu Ende.

Hajo Maier ist bekannt und geschätzt für seine ausdrucksstarken Improvisationen. An diesem Abend hatte er drei Stücke auf den Programm, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. „Danse macabre“ erinnerte an tanzende Skelette. Heiter und doch makaber, ungewöhnlich. Tänze aus dem Zwischenreich – mal sanft, mal wild durch einander wirbelnd. „Elegie“ ein harmonische Reise durch die wunderschöne Welt der Töne und Rhythmen. „Apokalypse 2017“ beendete den Abend. Dissonanzen, enge Akkorde symbolisierten das Ende der bekannten Welt. Immer wieder aus der Ferne die Chororgel, die einen versöhnlichen Aspekt in das Wüten der Winde, Feuer und Erdbeben brachten. Die Orgel erklang am Ende im Generaltutti, mit allen Sub-und Superkoppeln Die Klänge füllten den Kirchenraum, waren fast körperlich zu spüren. Vor dem anhaltenden Beifall war erst einmal Luftholen angesagt. Das Konzert war ein Erlebnis für Herz und Ohr.

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Hajo Maier an der Eisenbarth Orgel in St. Jakob

In diesem Jahr gab es zum ersten Mal eine Sommerkonzertreihe in der Kirche St. Jakob mit dem Organisten Hajo Maier. Diese wurde gut angenommen und gab den Besuchern die Gelegenheit die wunderschöne Eisenbart-Orgel außerhalb den Messen und Gottesdiensten zu hören. Der Organist hatte aus diesem Grunde auch immer wieder Stücke aufs Programm gesetzt, die die Orgel im vollen Werk erklingen ließen.

Bei der Improvisation des Organisten „Cathèdrales“ war dies eindurcksvoll zu erleben. Eine Besonderheit, die auch als Hommage an die berühmten Sohn der Stadt, Graf Luckner, gedacht war, dass jedes Konzert mit einigen Takten der „Marseillaise“ begann. Beim letzten Konzert am 10. September war eine Besucherin so dankbar für das Erlebtem dass sie ganz spontan ein bayerisches Danklied sang. An diesem Tag hatte Pfarrer Dieter Zinecker Geburtstag. Die Vorsitzende der Kolpingsfamilie Cham, Gabriele Dahlmann, gratulierte ihm während des Konzerts, auch im Namen der Zuhörer.

Auch 2016 wird es wieder heißen: 12 Uhr mittags = Orgelzeit.